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Die Mistel - mehr als ein Brauch

Von Manfred Lohmann

„MistelWer kennt ihn nicht, diesen schönen Brauch des Kusses unter dem Mistelzweig. Wer aber mit einem hübschen Mädchen oder einem netten jungen Mann unter dem Zweig mit den weissen Beeren steht, muss allerdings die Spielregeln beachten: Pflückt man eine Beere - ein Kuss; zwei Beeren - zwei Küsse… und wenn keine Beeren mehr da sind, ist Schluss mit der Küsserei....
Die Misteln sind jedoch viel interessanter und mystischer, als dieser Brauch vermuten lässt.

Botanisch ist die »Weihnachtsmistel« ein immergrüner, kugelförmiger Busch von 60 bis 90 Zentimeter Durchmesser mit breiten, lederartigen Blättern. Die wilde Pflanze wächst hoch oben in den Wipfeln der Bäume zwischen Himmel und Erde. Ihre Beeren reifen jedoch nur im Dezember, gerade rechtzeitig für die Weihnachtsbräuche. Diese perlenartigen Beerchen sind etwa so gross wie Johannisbeeren und meist weiss oder gelblich. Man kann sie mit der Hand nicht erreichen, schiesst man sie heute mit dem Gewehr herunter oder holt sie mit gabelförmigen Stangen vom Baum.

Die »Weisse Mistel« wächst auf Laubbäumen wie Pappeln, Birken, Apfel- und Ahornbäumen. Verbreitet wird die Pflanze ausschliesslich durch Vögel. Sie fressen die Beeren und wischen die am Schnabel hängengebliebenen Kerne an der Baumrinde ab oder scheiden sie unverdaut wieder aus. Im Frühjahr wachsen feine Wurzeln aus den Keimen, die sich zu einer klebrigen Haftscheibe verbreitern, aus der ein Fortsatz durch die Baumrinde bis ins Holz dringt. Nach und nach treibt die Pflanze Blätter und beginnt ein aussergewöhnlich langes Leben.

Sie bleibt von Insekten verschont, die Winde können ihr nichts anhaben, und sie ist sowohl gegen Winterfrost als auch gegen ausdörrende Hitze gefeit. In der Regel stirbt die Mistel erst, wenn der Wirtsbaum stirbt. So schätzten Förster das Alter einer Mistel, die auf einer Zeder wuchs, auf 400 Jahre.

Die Misteln werden Anfang Dezember als Weihnachtschmuck gepflückt - aber das war nicht immer so.

Die Mistel und ihre Bedeutung

Über keine andere Pflanze gibt es eine so umfangreiche Literatur und eine so ausgedehnte Mythologie wie über die Mistel. Schon dass sie keinem der bekannten Bäume oder Sträucher entsprach, machte sie ja zu etwas Besonderem. Aber da waren noch so viele Dinge, die man sich nicht erklären konnte: Wie sich die Mistel ernährt oder vervielfältigt, warum sie im Winter ihr Grün nicht abwarf oder ausgerechnet zu einer Zeit, wenn die ganze Natur »tot« ist, Früchte trägt - das alles machte die Mistel mysteriös. Die Sagen um den Mistelzweig reichen weit zurück in ein Zeitalter lange vor Christi Geburt.

Bereits in der Steinzeit sammelten die Menschen die Mistel. Sie diente ihnen wohl als Viehfutter, wurde vermutlich aber schon damals auch für kultische Zwecke benutzt.
Seit der Antike gilt der »Druidenfuss« – so lautet der alte Name für die Mistel – als ein Glück bringender Zweig. Im antiken Rom schmückte man zu den Saturnalien, die mit recht ausschweifenden Festen gefeiert wurden, die Häuser mit grünen Zweigen - und zu diesem Schmuck gehörten auch Mistelzweige.

Aber auch in der keltischen und germanischen Mythologie waren die Misteln von grösster Bedeutung. Fast alle Aussagen zur Glaubenswelt der Germanen und Kelten stammen vorrangig aus zwei historisch belegten Quellen.

Da sind die Aufzeichnungen des römischen Gelehrten Gaius Plinius Secundus Maior, besser bekannt als Plinius der Ältere, und die von Julius Cäsar in seinem »De Bello Gallico«.
Cäsars beschreibt in seinem 6. Buch die Gebräuche und Sitten der Gallier. Dort heisst es: » .. die gallischen Völkerschaften betrieben Ackerbau, ihre Priester nannten sie Druiden. Diese waren für die Pflege und Lehre der Theologie, Philosophie, Naturkunde sowie den Opferkult zuständig und hatten richterliche Aufgaben« ... (De Bello Gallico 6,13-18).

Plinius schildert die Mistel als eine Pflanze, die von den Galliern in besonderer Weise bewundert und verehrt wurde. Dies galt in besonderer Weise, wenn die Mistel auf einer Eiche wuchs, was nach naturkundlichen Untersuchungen sehr selten geschieht.

Die Druiden, so schreibt Plinius weiter, hielten nichts für heiliger als die Mistel und den Baum, der sie trägt, vorausgesetzt, es ist eine Eiche. Sie wählten die Eichen aus, um ganze Haine zu bilden, und sie führen keine religiösen Riten durch, ohne die Zweige der Eichen zu nutzen. Die Druiden waren der Überzeugung, dass alles, was auf Eichen wuchs, vom Himmel gesandt worden sei, und die Mistel sei ein Beweis dafür, dass der Baum von den Göttern selbst als Objekt ihrer besonderen Gunst ausgewählt wurde. Da die Mistel ist aber nur selten auf Eichen zu finden war, begegnete man diesem Baum mit grosser religiöser Ehrfurcht.

Plinius beschreibt auch den Ritus des Schneidens der Mistel durch die Druiden. Demnach sind weisse Gewänder tragende Druiden, begleitet von zwei weissen Stieren, die noch nie unter einem Joch gegangen waren, in einer Prozession zu der betreffenden Eiche gezogen, wo dann mit goldenen Sicheln die Mistel geschnitten wurden - ein sehr feierlicher und religiöser Ritus.

In der germanischen Mythologie heisst es, dass zwei verfeindete Krieger, die sich begegneten und feststellten, dass sie unter einem Baum standen, der eine Mistel trug, sich für einen Tag nicht weiter bekriegen und Frieden halten mussten.

In der nordgermanischen Mythologie wird die Mistel in mehreren Liedern der älteren Edda erwähnt. In der Gylfaginning (Strophe 49) heisst es, dass Loki den Mistelzweig, aus dem der tödliche Pfeil für Baldur geschnitzt wurde, am Höllentor selbst gebrochen habe.

Die Bedeutung der Mistel als besonders bedeutungsvolle Pflanze, findet sich denn auch im Volksglauben besonders nord- und mitteleuropäischer Regionen wieder. In Tirol galt sie als Schutz vor üblem zauberischem Einfluss, in Bayern wurden Misteln in die Palmbüschel zum Palmsonntag mit eingefügt und sollten vor dem Bösen schützen, ebenso dienten sie als schützendes Schmuckstück, wenn man sie um den Hals trug.

Seit der Verwendung als Mordwaffe an Baldur galt die Mistel als ein Werkzeug des Bösen und wurde zu Zaubereien und geheimen Künsten gebraucht. Da sie auf dem entlaubten Baum auch im grössten Frost grün bleibt, sah man in ihr ein Wesen, das allen Widrigkeiten zu trotzen vermochte, und man nannte sie, weil sie auf Bäumen nistet, den »Mahr Alp« des Baumes und glaubte, sie wüchse nur auf jenen Ästen, auf denen der »Nachtmahr« (ein mystischer Gestaltenwandler) geritten wäre.

Die immergrüne Pflanze, die auf den ersten Blick keine Wurzeln zu benötigen schien, war aber auch ein Symbol des Lebens.

Aus ihr wurde ein Getränk bereitet, das ein Mittel gegen alle Gifte und Krankheiten sein sollte, und von dem man glaubte, es würde die Fruchtbarkeit befördern. Dieses Getränk half auch gegen Rothlauf, gegen die Pest, dem bösen Wesen der Kinder, gegen Krämpfe, gegen Gicht und Würmer und noch mancherlei Krankheiten mehr. In fast allen Kulturkreisen war die Mistel ein Heilmittel gegen die »Fallsucht« (Epilepsie). In Skandinavien trugen daran Erkrankte ein Messer bei sich, dessen Schaft aus dem Holz der Mistel, die auf einer Eiche wuchs, gemacht worden war.

Eine Silber gefasste Mistelbeere um den Hals getragen schützte vor Verheerung, mit der Mistel konnte man Diebe festbannen, sie sprengte alle Schlösser, diente als Wünschelrute und schirmte den Baum, auf dem sie wuchs, vor dem Blitz. Legte man einen Schwalbenflügel auf eine Mistel, so versammelten sich alle Vögel der Gegend um dieselbe. Band man zu Weihnachten Mistelzweige an die Fruchtbäume, so gedieh im folgenden Jahr reichlich das Obst.

Aber auch die alten Kräuterbücher unterschieden schon, ob die Mistel auf einer Eiche, einer Ulme, einem Birnbaum oder einem Hasel wuchs. Besonders das Letztere wurde, da es nur sehr selten vorkommt, am meisten geschätzt – es war ein Zeichen dafür, dass unter dem Hasel ein Schatz verborgen sei.

Pflückte man die Mistel, so durfte sie niemals die Erde berühren und musste nach der Art der Druiden mit einem Tuch aufgefangen werden.

Auch sollte man sie nur im August, wenn die Sonne ins Zeichen des Löwen geht, sammeln. Stand die Sonne aber im Schützen, so musste die Mistel drei Tage vor Neumond mit Pfeil und Bogen vom Baum herab geschossen und mit der linken Hand aufgefangen werden.

Im Christentum wurde die Mistel zu einem Symbol des Friedens. Der Sage nach soll das Kreuz Christi aus dem Holz der Mistel hergestellt worden sein, die damals noch ein »echter« Baum war. Aus Scham darüber, zum Kreuz Christi gemacht worden zu sein, habe sich die Mistel von einem Baum zu einer Pflanze verwandelt, die keinen eigenen Stamm mehr hatte, und aus der man so etwas wie ein Kreuz nicht mehr herstellen konnte. So wollte die Pflanze dafür sorgen, dass ihr Holz nicht mehr verwendet werden und sie nur noch Gutes bringen konnte.

Wie der Mistelzweig letztlich zum Weihnachtsgrün wurde, ist nicht sicher bekannt. Aber ob nun die Saturnalien oder die bedeutende Rolle in der Mythologie und bei den altgermanischen Feiern der Wintersonnenwende uns den Brauch des Kusses unter dem Mistelzweig brachten bzw. dafür sorgten, dass die Mistel zu Weihnachten gehört, ist letztlich nicht ausschlaggebend - in vielen Häusern werden Misteln hängen und lassen diese alten Mythologien und Überlieferungen weiterleben.

 
 

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